Über die nicht mehr ganz so jungen Leute

Am Donnerstag Abend saß ich drei Stunden im Zug von Köln nach Hause. Aus Gründen, die die Deutsche Bahn “Personenschaden” nennt. Der Herr neben mir, er dürfte zwischen 50 und 60 Jahren sein, fragte gleich: wo ich hinmüsse, ob er mich später mitnehmen solle und wo ich herkäme. Aus Berlin also. Und so hörte ich ihm zwei Stunden zu, wie er von sich und der Politik sprach und es war wahnsinnig aufschlussreich und verwirrend, weil sich so viel widersprach, aber das eben seine Meinung war. Hier ein Gedankenprotokoll:

In Berlin war ich erst einmal. Ich bin nie rausgekommen aus meinem Dorf. Eigentlich wollte ich das immer, vielleicht mal im Ausland arbeiten, aber ich hab es dann doch nie gemacht. Ich finde das gut, wenn man das macht, solange man jung ist. Ich glaub mit Kindern finde ich dann besser auf dem Dorf.

Gibt es denn in Berlin so viel Rassismus wie hier? Ja, hier gibt es schon Rassismus. Ich finde auch nicht gut, was die AfD macht. Aber man muss auch aufpassen. Ich finde, man wird schnell in die rechte Ecke gestellt. Und ich finde auch nicht gut, wie die AfD in den Medien behandelt wird. Ich will nicht sagen, dass die lügen, aber schon manipulieren. Die AfD wird immer so schnell abgebügelt in Talkshows.

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Jung und links

Warum wählen immer weniger junge Menschen links? Auch auf diese Frage habe ich noch keine Antwort, aber ein paar spekulative, auf keinen Fall repräsentative und wahnsinnig angreifbare Beobachtungen aus unserer Serie “jung und links zu sein”.

- Links sein ist immer noch ein Lifestyle, oder (etwas weniger angreifbar) ein Lebensgefühl, das mit Parteien und Parteipolitik wenig zutun hat, zumindest nicht in unserer Serie. Wir haben wahnsinnig viele eingesandte Leserartikel erreicht, Linkssein ist ein Ding, mit dem sich die Leute beschäftigen, sich öffentlich bekennen wollen. Nur über Parteien stand in den meisten Texten kein Wort. Manchmal fragten wir in der Redigatur mal nach und bekamen dann widerwillig so mittel überzeugende Sätze geliefert, bis uns irgendwann klar war: Links sein wird nicht mit Parteien assoziiert, egal ob Linke, Grüne oder SPD .

- Linkssein wird mit Radikalsein verbunden. Das begann mit meinem Malheur, als ich ergriffen von meinen eigenen Klischees in den Aufruf schrieb: Links sein, das hieß früher, Steinewerfen auf Polizisten (oder so ähnlich). Das ist natürlich Unsinn, aber zeigt auch, dass Linkssein Bilder im Kopf erzeugt, die von bestimmten Gruppen geprägt sind. Das waren früher die Steinewerfer, heute denke ich an Antifa und vermummte schwarze Gestalten, die Häuser besetzen. Einer der meistgelesenen Texte aus unserer Reihe war übrigens: Reich, weiß, hetero und trotzdem links. Das totale Kontrastprogramm.

- Das direkt zur Frage führte: Darf die das? Ist die wirklich links? Das war auch die Frage, die uns während der gesamten Serie am häufigsten gestellt wurde: Sind das “richtige” Linke? Oder noch lieber als Vorwurf: “Das sind doch keine richtigen Linken.”

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Ich bin verwirrt – und dieses Blog kehrt zurück

Ich hab immer gerne gegen die angeschrieben, die gesagt haben, dass diese jungen Leute an allem Schuld sind, außerdem völlig unpolitisch und angepasst. Gegen Politiker, Soziologen, Journalisten und all die anderen. Aber 2016 hat mich verwirrt, weil ich nicht mehr weiß, ob ich damit immer Recht hatte.

Ich habe natürlich auch die Yougov-Umfrage retweetet, wie 40.000 andere, nach der 75 Prozent der 18-bis 25-Jährigen für die EU und nur 39 Prozent der Über-65-Jährigen dagegen gestimmt haben. Die Alten hatten den Jungen die Wahl gestohlen. Aber ich hab mich auch gefragt, wie viele von den Jungen denn wohl zur Wahl gegangen sind. Natürlich nicht so viele. Gilt genau so in Deutschland und nach Prognosen auch bei der US-Wahl.

Ich bin verwirrt, weil ich kein Verständnis dafür habe, aber auch nicht genug verstehe, warum das so ist. (Ist es wirklich Desinteresse? Faulheit? Oder doch das Gefühl, dass es bei der Wahl um andere geht). Aber mich stört das Argument, das so universell einsetzbar ist: Politiker sprechen nicht über die Themen von jungen Menschen? Die gehen ja eh nicht zur Wahl. Politiker zerstören mit ihren Entscheidungen die Zukunft von jungen Menschen? Die gehen eh nicht zur Wahl. Besonders perfide: Nachrichten über junge Menschen, die aufbegehren, sich engagieren, kommentieren mit: Wärd ihr doch vorher mal zur Wahl gegangen (wobei ich so weit gehen würde: Genau diese Menschen haben das ziemlich wahrscheinlich auch getan).

Ich bin verwirrt, weil ich nicht weiß, was zuerst war: Nicht zur Wahl gehen oder nicht über junge Themen sprechen. Und ich nicht weiß, wie beides wieder zu ändern wäre.

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Klar helfen wir jetzt

Wer den Beitrag im “Heute Journal” gesehen hat, und den Link sucht zum Text über die doch gar nicht so unpolitische Jugend. Hier ist er: http://www.zeit.de/studium/uni-leben/2015-10/jugend-politisches-engagement-2015. Und endlich wieder ein Eintrag in diesem Blog.

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Das Internet wird sich nicht durchsetzen. Teil1.

Da ich spätestens 2016 endlich ein Bachelor of Arts sein möchte, verbringe ich dieses Jahr einige meiner freien Tage in Unibibliotheken. Thema: Irgendwas mit Internet. Dabei stoße ich auf semi-aktuelle Literatur. Die Perlen des Gedruckten über das Internet möchte ich hier teilen. Teil 1: Anno 1999.

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“Auch wenn du online machst”

Seit ziemlich genau einem halben Jahr arbeite ich nun bei ZEIT ONLINE. Das Online sollte man an der Stelle nicht so sehr betonen, denn viele finden es cool, dass ich jetzt bei  ”der ZEIT” bin, dieser “elitären Zeitung”, also zumindest “ganz nah dran”. Und dann folgte einmal der Nachsatz, den ich nie vergessen werde: “auch wenn du online machst”.

 “Darfst du auch für die ZEIT schreiben?”
“Hast du viel mit den Kollegen der ZEIT zutun?”

Das sind nur wenige Beispiele, aber sie zeigen: Online ist für einige immer noch ein Medium für Anfänger, für junge Journalisten. Ein Einstieg. Ein Sprungbrett. “Ab jetzt geht es nur noch bergauf”, schrieb mir auch jemand. Einige Kollegen machen Witze darüber, dass sie schon ihr Leben lang für 28 gehalten werden. Weil sie online machen.

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Codeyear 2013

David Bauer hatte es damals geschafft, 100 %, Codeyear finished. Wie er das gemacht hat und was er darüber denkt, ob Journalisten programmieren können müssen, lest ihr hier.

Codeyear, das ist der Versuch, innerhalb eines Jahres ein bisschen coden zu lernen. Ein fester Zeitraum, ein paar Mitstreiter, am besten ein eigenes Projekt. So die Theorie. Anfang 2013 sind wir David Bauers Versuch gefolgt, Jonathan Sachse schrieb hier darüber, Daniel Drepper hier und ich in diesem Blog.

Unsere Anlaufstelle, wenn auch mit verschiedenen Programmiersprachen: Die Codecademy. Dazu kurz mehr: Die Codecademy ist eine tolle Lernseite für Journalisten, die vorher noch nie programmiert haben. Es startet bei Null, alles wird langsam erklärt, und bei jedem Schritt muss ich selber etwas bauen oder vervollständigen, sonst komme ich nicht weiter. Zur Belohnung gibt es Badges und Punkte, schwarz auf weiß kann ich bei jedem Log-In sehen, wann ich das letzte Mal gecodet habe, wieviele Punkte ich heute erreicht habe und wieviel mehr Punkte das an anderen Tagen schon waren.

Wir haben es nicht geschafft.

codeyear

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Science Slam im Social TV

Am 6. Dezember gab es ein kleines Experiment, Live-Tweets @wdr_live und Social -TV von der Deutschen Meisterschaft im Science Slam. Das Video und den Live-Blog gibt’s bei WDR5. Und es hat sich gelohnt: Trending Topic Deutschland am Morgen für unseren Hashtag #ScienceSlam13. #onlineonly funktioniert.

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Bodybuilding ohne Doping

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Weniger Muskeln, kleinere Hanteln. Natural Bodybuilding ist eine extra Nische für alle, die nicht dopen wollen. Ich habe mich mit einem der erfolgreichsten getroffen und mit einem gesprochen, der früher gedopt hat mit extremen körperlichen Folgen – und trotzdem überlegt, wieder anzufangen. Der Text bei Zeit Online. 

 

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Begegnungen mit der Huffington Post

Da gerade so viel über den Stellenwert und die Qualität der deutschen Huffington Post geschrieben wird, hier drei kurze Begegnungen mit der Huffington Post USA. Unkommentiert.

1) Meine Professorin Iris Krasnow, immerhin erfolgreiche Buchautorin und Journalistin, war eines morgens ganz aufgeregt. Laptops waren in ihrer Schreibklasse verboten, aber jetzt bat sie, ob wir mal einen hochfahren könnten. Und dann auf huffingtonpost.com. Sie habe da heute morgen was gebloggt und wolle sehen, wie viele Menschen kommentiert hatten. Das konnte nicht warten. Zum Nachlesen: “Good sex makes for a lasting Marriage.

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