Über die nicht mehr ganz so jungen Leute

Am Donnerstag Abend saß ich drei Stunden im Zug von Köln nach Hause. Aus Gründen, die die Deutsche Bahn “Personenschaden” nennt. Der Herr neben mir, er dürfte zwischen 50 und 60 Jahren sein, fragte gleich: wo ich hinmüsse, ob er mich später mitnehmen solle und wo ich herkäme. Aus Berlin also. Und so hörte ich ihm zwei Stunden zu, wie er von sich und der Politik sprach und es war wahnsinnig aufschlussreich und verwirrend, weil sich so viel widersprach, aber das eben seine Meinung war. Hier ein Gedankenprotokoll:

In Berlin war ich erst einmal. Ich bin nie rausgekommen aus meinem Dorf. Eigentlich wollte ich das immer, vielleicht mal im Ausland arbeiten, aber ich hab es dann doch nie gemacht. Ich finde das gut, wenn man das macht, solange man jung ist. Ich glaub mit Kindern finde ich dann besser auf dem Dorf.

Gibt es denn in Berlin so viel Rassismus wie hier? Ja, hier gibt es schon Rassismus. Ich finde auch nicht gut, was die AfD macht. Aber man muss auch aufpassen. Ich finde, man wird schnell in die rechte Ecke gestellt. Und ich finde auch nicht gut, wie die AfD in den Medien behandelt wird. Ich will nicht sagen, dass die lügen, aber schon manipulieren. Die AfD wird immer so schnell abgebügelt in Talkshows.

Ich finde das gut, dass wir hier Flüchtlinge aufnehmen, die aus Kriegsgebieten kommen. Aber ich finde nicht alles gut, was Angela Merkel gemacht hat. Das hier jetzt 100.000 sind, von denen wir nicht wissen, wer sie sind. Das finde ich nicht gut. Und man versteht auch nicht immer, wo da Geld hinfließt. Ich habe in einem Betrieb gearbeitet, wo auch Flüchtlinge waren. Für jeden Deutschen haben wir 150 Euro bekommen, für jeden Flüchtling 350 Euro. Ich meine, warum? Ich hör immer Fachkräftemangel. Aber schau mal, ich bin gerade arbeitssuchend. Ich bin zu alt, ich bin zu dies, ich bin zu das.

Früher habe ich FDP gewählt, ich fand die gut, weil die was für die Arbeitgeber getan haben. Guido Westerwelle fand ich gut. Ich fand auch gut, dass der schwul war. Christian Lindner mag ich nicht so.

Martin Schulz find ich aber gut. Ich weiß nicht, ob der inhaltlich gut ist, aber ist mal was anderes. Angela Merkel ist mir zu glatt.

Ich meine, grade heißt es, wir hätten so einen großen Überschuss. Aber ich vertrau dem nicht. Ich weiß ja, wie man das in Betrieben so manipulieren kann. Und ist ja gut für die CDU im Wahlkampf, wenn man das sagen kann.

Ich glaub, der Donald Trump tut sich keinen Gefallen mit dem, was er grade macht. Aber was ich an dem gut finde: Der hält genau das, was er vorher gesagt hat. In Deutschland ist das nie so oder es dauert ewig. Barack Obama war mein Lieblingspräsident. George Bush fand ich ganz beschissen.

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