Journalismus studieren in Washington DC

Von August 2012 bis Mai 2013 habe ich an der American University in Washington DC studiert, das erste Semester “Journalism and New Media”. Hier jetzt ein paar FAQ zum sogenannten “Washington Semester Program”, ob sich’s lohnt oder nicht, und wenn ja, für wen.

Das Besondere am Programm

Drei Tage Uni, zwei Tage Praktikum, so sieht jede Woche im Programm aus. Zur Uni: Das fühlt sich an wie Schule, eine Klasse, ein Professor, ein Kurs. Die meiste Zeit kommen sogenanne “guest speaker” an die Uni, oder wir haben sie besucht, zum Beispiel bei der Washington Post. Das bekannteste Gesicht in jedem Semester: Bob Schieffer, u.a. Moderator der Präsidentschaftswahl. Außerdem mit dabei: Michael Isikoff, der die Monica Lewinskiy Geschichte recherchierte.

Die Praktika

Jeder kümmert sich selbst um sein Praktikum, wer keins findet, dem wird geholfen. Ich war bei McClatchy DC, mehr dazu gibt’s hier im Blog. Deutsche Medien, die möglich sind: dpa, Deutsche Welle, n-tv. Amerikanische Medien, die auch Ausländer nehmen: Houston Chronische, Columbus Dispatch, Radio WTOP und diverse TV-Sender. Abgesehen von den TV-Sendern wird dort richtig produziert, bei Nicht-Muttersprachlern wird der Text einfach ein bisschen intensiver redigiert.

Was bringt mir das?

In erster Linie Inspiration.  Große Journalisten erzählen von ihren Recherchen, das motiviert! Junge Journalisten erzählen, wie sie zur Washington Post oder zu BuzzFeed gekommen sind, das motiviert noch mehr! Außerdem wird klar, was die Eigenheiten des amerikanischen Journalismus sind und was man davon mitnehmen kann: Vor allem die Investitionen in investigativen Journalismus und der ständige Satz: Get it first, but first get it right. Klar, lernt man auch in Deutschland, aber nirgendwo wird das auch so beherzigt wie in den USA.

Was bringt mir das nicht?

Die Schreibklasse ist auf relativ niedrigem Niveau, da das Gefälle einfach zu groß ist. Da sitzen Studenten, die haben noch nie einen Artikel recherchiert. Wer also weiß, was ein szenischer Einstieg ist, oder sogar, wie man durch’s Portal in ein Feature kommt, der langweilt sich an einigen Stellen. Am Ende schreibt jeder ein Feature, ein Portrait, einen Kommentar und einen Text nach Wahl.

Und New Media?

Nichts, nada, nullo. Leider sind die Professoren doch eher vom alten Schlag, weder Social Media noch Innovationen sind wirklich ein Thema. Etwas enttäuschend, grade weil es in der Stadt zum Thema multimediales Arbeiten tolle Menschen gäbe. Außer Print-Texten wird auch nichts produziert.

Fazit

Wer die Chance hat, sollte sie ergreifen. Einmal den Hauptstadtjournalismus der politischsten Stadt der Welt live zu erleben, das prägt. Einmal zur White House Press Conference als Praktikant zu gehen. (und ja, ich habe Obama bei einem Termin gesehen). Einmal Republikaner und Demokraten in einem der Ausschüsse vier Stunden zu beobachten. Also: An der Uni inspirieren lassen, im Praktikum produzieren!

 

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